Aufgabe 2 - Wissenschaftliche Methoden
Aufgabenstellung
Section titled “Aufgabenstellung”Überlegen Sie, mithilfe welcher wissenschaftlichen Methoden (mindestens 3) Sie das von Ihnen in Aufgabe 1 formulierte (eingegrenzte) Thema bearbeiten können. Stellen Sie diese wissenschaftlichen Methoden kurz dar. Fertigen Sie eine Synopse zu diesen (mindestens 3) wissenschaftlichen Methoden in Bezug auf deren Vor- und Nachteile für Ihr Thema!
Lösung
Section titled “Lösung”Für das Thema aus Aufgabe 1 kommen drei wissenschaftliche Methoden infrage: qualitative Experteninterviews, eine quantitative Befragung und ein systematisches Review. Mit Interviews und Fragebögen werden eigene Daten erhoben. Ein systematisches Review wertet dagegen bereits veröffentlichte Studien nach festgelegten Regeln aus (vgl. Busse 2024b, S. 3). Die Methoden unterscheiden sich vor allem darin, wie tief sie das Thema untersuchen, wie weit sich ihre Ergebnisse übertragen lassen und wie gut sie innerhalb von 6 Wochen umsetzbar sind.
1. Qualitatives, teilstrukturiertes Experteninterview
Section titled “1. Qualitatives, teilstrukturiertes Experteninterview”Bei dieser Methode werden Personen befragt, die aus eigener Erfahrung über die Kommunikation in Projekten berichten können. Dazu gehören zum Beispiel Projektleiter und Teammitglieder aus Matrixprojekten sowie Product Owner, Scrum Master und Developer aus Scrum-Teams. Auch Beschäftigte ohne Führungsfunktion können als Experten in eigener Sache gelten, wenn sie direkt mit dem untersuchten Thema zu tun haben (vgl. Busse 2024b, S. 4).
Die Gespräche würden mit einem teilstrukturierten Leitfaden geführt. Er enthält gemeinsame Fragen zu Kommunikationswegen, Transparenz und Abstimmungsaufwand, lässt aber auch Rückfragen zu. Die Fragen müssen nicht in jedem Interview wortgleich gestellt werden und können an den Gesprächsverlauf angepasst werden (vgl. Busse 2024b, S. 7-8). Die Befragten könnten dadurch konkrete Situationen schildern und erklären, warum bestimmte Abläufe hilfreich oder problematisch sind.
Als Orientierung nennt das Studienheft etwa 8 Interviews für eine durchschnittliche und 12 Interviews für eine sehr gute Abschlussarbeit. Wichtiger ist jedoch die inhaltliche Sättigung. Sie ist erreicht, wenn weitere Gespräche keine wesentlichen neuen Erkenntnisse liefern (vgl. Busse 2024b, S. 4). Für die Auswertung eignet sich eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring oder Kuckartz. Dabei werden die Interviews verschriftlicht, codiert und passenden Kategorien zugeordnet (vgl. Busse 2024b, S. 10-11).
Die Methode eignet sich gut, um Erfahrungen, Konflikte und informelle Kommunikationswege genauer zu verstehen. Moe et al. konnten mit einer qualitativen Fallstudie beispielsweise Hindernisse bei Teamarbeit, Führung und Koordination in einem Scrum-Team untersuchen (vgl. Moe et al. 2010, S. 480-481). Wegen der kleinen Stichprobe lassen sich die Ergebnisse aber nicht ohne Weiteres auf alle Matrixprojekte oder Scrum-Teams übertragen. Hinzu kommt der hohe Zeitaufwand für Terminabsprachen, Durchführung, Transkription und Auswertung.
2. Quantitative standardisierte Befragung
Section titled “2. Quantitative standardisierte Befragung”Bei einer quantitativen Befragung beantworten viele Teilnehmende überwiegend geschlossene oder skalierte Fragen. Beschäftigte aus Matrixprojekten und Scrum-Teams könnten standardisierte Aussagen zu den drei Vergleichsbereichen bewerten. So ließen sich Kommunikationswege, Transparenz und Abstimmungsaufwand in Zahlen erfassen und zwischen den beiden Gruppen vergleichen.
Voraussetzung wäre ein bereits wissenschaftlich geprüfter Fragebogen oder eine passende Kombination geprüfter Skalen. Ein eigener Fragebogen müsste aufwendig entwickelt und auf Gültigkeit und Zuverlässigkeit geprüft werden. Auch ein fremdsprachiger Fragebogen darf nicht einfach übersetzt werden. Dafür ist ein geregeltes Übersetzungs- und Rückübersetzungsverfahren nötig (vgl. Busse 2024b, S. 6-7). Deshalb müsste zuerst geprüft werden, ob passende deutschsprachige Instrumente vorhanden sind.
Eine große und passend zusammengesetzte Stichprobe kann Ergebnisse liefern, die sich breiter übertragen lassen. Sie ist aber nicht allein wegen ihrer Größe repräsentativ. WAM03 nennt für quantitative Untersuchungen in vielen Fällen mehr als 100 Personen. Die tatsächlich benötigte Zahl hängt vom Untersuchungsaufbau ab (vgl. Busse 2024b, S. 4). Die Daten müssten anschließend statistisch ausgewertet werden. Neben Median und Standardabweichung wären Zusammenhänge zwischen Variablen und passende Gruppenvergleiche zu untersuchen. Ein statistischer Zusammenhang beweist jedoch noch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung (vgl. Busse 2024b, S. 9-10).
Die Methode ermöglicht einen einheitlichen Vergleich vieler Personen. Sahlmueller et al. untersuchten beispielsweise mit den Befragungsdaten von 111 Managern Zusammenhänge zwischen dualer Führung, Beziehungsqualität und Rollenkonflikten in einer Matrixorganisation (vgl. Sahlmueller et al. 2022, S. 270-272). Geschlossene Fragen können persönliche Begründungen und Besonderheiten einzelner Projekte aber nur begrenzt erfassen. Innerhalb von 6 Wochen wären außerdem die Suche nach geeigneten Skalen, die Gewinnung einer ausreichend großen Stichprobe und die statistische Auswertung anspruchsvoll.
3. Systematisches Review
Section titled “3. Systematisches Review”Ein systematisches Review wertet veröffentlichte empirische Studien zu einer klaren Forschungsfrage nach festen und nachvollziehbaren Regeln aus. Es ist daher mehr als eine einfache Zusammenfassung von Literatur. Durch den Vergleich mehrerer Untersuchungen lassen sich wiederkehrende Ergebnisse, Unterschiede und noch offene Fragen erkennen, ohne eigene Daten zu erheben (vgl. Busse 2024c, S. 3-5).
Für das Thema würden zuerst Suchbegriffe zu Matrixorganisation, Scrum und interner Projektkommunikation festgelegt und miteinander kombiniert. Danach müssten geeignete wissenschaftliche Datenbanken ausgewählt werden. Ein- und Ausschlusskriterien könnten sich auf die Erhebung eigener Daten, den Bezug zu Projektteams, die Organisationsform, die Sprache und die Qualität der Veröffentlichung beziehen. Datenbanken, Suchbegriffe und Auswahlentscheidungen müssen dokumentiert werden, damit die Recherche nachvollziehbar ist (vgl. Busse 2024c, S. 6-8).
Die ausgewählten Studien würden anschließend in einer Tabelle erfasst. Dazu gehören unter anderem Autor, Jahr, Stichprobe, Methode, Organisationsform, untersuchte Kommunikationsbereiche und zentrale Ergebnisse. Danach könnten Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Erklärungen über alle Studien hinweg ausgewertet werden (vgl. Busse 2024c, S. 8-11).
Der Vorteil liegt darin, dass vorhandene Forschung nach einem klaren Verfahren zusammengeführt wird. Eigene Interview- oder Befragungsteilnehmer werden nicht benötigt. Die Methode ist aber nur geeignet, wenn genügend passende und vergleichbare Studien vorhanden sind. Für Scrum und Matrixorganisation gibt es mehrere einzelne Untersuchungen, die beide Seiten jedoch meist getrennt betrachten (vgl. Kuprenas 2003, S. 51-52; Stray et al. 2016, S. 101-102). Deshalb müsste vor der endgültigen Auswahl geprüft werden, ob die Studien für einen gemeinsamen Vergleich ausreichen.
Synopse der Methoden
Section titled “Synopse der Methoden”Tabelle 2.1: Synopse der wissenschaftlichen Methoden in Bezug auf das eingegrenzte Thema (eigene Darstellung).
| Methode | Konkrete Anwendung auf das Thema | Vorteile | Nachteile und Risiken | Leistbarkeit in 6 Wochen |
|---|---|---|---|---|
| Qualitatives Experteninterview | Befragung erfahrener Personen aus Matrixprojekten und Scrum-Teams zu Kommunikationswegen, Transparenz und Abstimmungsaufwand | Liefert konkrete Beispiele und Erklärungen; auch unerwartete Aspekte können aufgenommen werden | Kleine Stichprobe; Ergebnisse nicht statistisch repräsentativ; hoher Aufwand für Teilnehmersuche, Transkription und Auswertung | Bedingt gut, wenn geeignete Personen früh verfügbar sind und die Zahl der Interviews überschaubar bleibt |
| Quantitative standardisierte Befragung | Einheitliche Erfassung der drei Kommunikationsbereiche bei einer größeren Zahl von Personen aus beiden Organisationsformen | Direkter statistischer Vergleich; bei geeigneter Stichprobe breiter übertragbare Ergebnisse | Geprüfte Skalen erforderlich; wenig Raum für persönliche Erklärungen; große Stichprobe und Statistikkenntnisse nötig | Eher eingeschränkt, wenn Fragebogen und Zugang zur Zielgruppe nicht bereits vorhanden sind |
| Systematisches Review | Geplante Suche, Auswahl und Auswertung empirischer Studien zu Kommunikation in Matrixprojekten und Scrum-Teams | Keine eigenen Teilnehmenden nötig; mehrere Forschungsergebnisse werden nachvollziehbar zusammengeführt | Abhängig von Zahl, Qualität und Vergleichbarkeit der vorhandenen Studien; hoher Aufwand für Recherche und Auswahl | Bedingt gut, wenn eine Vorrecherche genügend passende Studien ergibt |
Zwischenfazit
Section titled “Zwischenfazit”Alle drei Methoden können für das Thema genutzt werden, betrachten es aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Interviews erklären Erfahrungen und Zusammenhänge im Detail. Eine quantitative Befragung ermöglicht einen breiteren Vergleich, stellt aber hohe Anforderungen an Fragebogen, Stichprobe und Auswertung. Ein systematisches Review verbindet vorhandene Studien, ist jedoch von der verfügbaren Literatur abhängig. Die Entscheidung muss deshalb zum Erkenntnisziel, zum Zugang zu Daten und zum Zeitrahmen passen. Die Auswahl einer Methode und das genaue Vorgehen folgen in Aufgabe 3.